Am Wochenende war eine kleine Tour nach Prag in Sachen Eishockey dran. Zwar sollte für mich am Ende nur ein neuer Ground rausspringen, trotzdem war es eine gelungene Sache. Als Mitfahrer hatte ich meinen bewährten Co-Piloten Peter dabei, konnte also nichts schiefgehen. Nach dem Freitagspiel gegen Erfurt nur eine kurze Nacht gehabt, war bereits um 8 Uhr Treffen. Dann ging es auf direktem Weg ab Richtung tschechische Hauptstadt. Nur vom standardmäßigen Sprit fassen unterbrochen, waren wir kurz vor elf an der Tipsport (formerly known as Tesla, even formerly known as T-Mobile) Arena.
Da vom Zeitpuffer noch alles übrig war, suchten wir uns auf dem angrenzenden Ausstellungsgelände erst mal eine Kleinigkeit zu essen, die wir in der Stadionkneipe Na Střídačce in der kleinen Incheba Arena fanden. Dann hieß es im großen Stadion erst mal den Ein- und später den Zugang finden. Einfach mal dummfrech drauf losgelaufen, wies uns der Eismeister dann den richtigen Weg durch die Katakomben. Vor sehr überschaubarer Kulisse begann um 12:30 Uhr das Junioren-Extraliga-Spiel des HC Sparta gegen Mladá Boleslav. Sparta hatte zunächst einige Probleme und geriet zweimal in Rückstand, holte aber am Ende ein glanzloses 5:3. Zwischendurch wurde auch hier mal die gastronomische Einrichtung auf einen Schluck getestet. Nach Spielschluss ging es zurück in die Incheba Arena, wo wir uns die letzten zwei Drittel von Spartas Fünftklässlern gegen Benesov anschauten. Das "knappe" Resultat: 16:1. Anschließend hieß es erst mal die Zimmer im Hotel Ilf in Beschlag nehmen, womit wir uns aber nicht lange aufhielten. Schließlich wartete noch ein Spiel am Abend. Ziel war das Zimni Stadion Eden, Slavias alte Halle, wo ebenfalls in der Junioren-Extraliga gegen Liberec gespielt wurde. Nach einem Zwischenstopp im Restaurace Nad Ledem ging es in die Halle. Auch hier ging am Ende recht souverän die Heimmannschaft mit 4:2 vom Eis.
Blieb nun noch die Frage nach der Abendgestaltung. Per Straßenbahn fuhren wir ins Zentrum bis zum Karlsplatz und zu Fuß weiter ins wie immer gut gefüllte U Vejvodu zum Abendessen. Die wie gewohnt gute Küche genossen, fuhren wir anschließend per Metro zurück zum Hotel. Hier noch ein Absacker an der Bar, das war es dann mit einem vollgepackten Tag.
Der Sonntag startete erst mal mit einem anständigen Frühstück im Hotel. Dann ging es mit dem Auto zur O2 Arena, wo wir nach einigem herumkurven einen guten und vor allem kostenfreien Parkplatz fanden. Da über Mittag noch etwas Zeit war, fuhren wir mit der Bahn noch einmal ins Zentrum bis zum Wenzelsplatz. Hier machten wir einen ausgiebigen Spaziergang, unter anderem über den noch andauernden kleinen Weihnachtsmarkt am Mustek, weiter zum Pulverturm und über Altstädter Markt und Karlsbrücke auf die Kleinseite. Hier kehrten wir zum Mittag in der Malostanska Pivnice ein, wo wir einen ruhigen Platz im Gewölbe fanden und mit einem Auge NHL aus letzter Nacht verfolgen konnten. Anschließend ging es per Metro und Straßenbahn zurück zur O2. Hier sammelten sich schon einige der zahlreichen Gästefans des HC Kometa Brno. Langezeit musste man sogar überlegen, wer hier eigentlich Heimspiel hatte. Denn scharenweise waren die blau-weiß gekleideten Anhänger aus Mährens größter Stadt unterwegs. Eine Stunde vor Spielbeginn ging es in die Arena, die wir erst einmal inspizierten und dann auch unsere Plätze in der dritten Reihe zentral hinter der heimischen Strafbank in Beschlag nahmen.
Um 15 Uhr war dann Beginn einer hitzigen Partie. Die ersten Minuten gehörten den Gästen, die aus ihren Chancen jedoch nichts Zählbares machen konnten. Anders Slavia, die einen schön ausgespielten Konter durch Petr Jelínek zur Führung nutzen konnten und noch vor der Pause zum 2:0 nachlegten. Alinč spielte aus der linken Ecke den Ex-Brünner Pospíšil an, der gegen die Seitwärtsbewegung von Goalie Trvaj in die kurze Ecke zielte und traf. War die Atmosphäre vorher schon aufgeheizt, wurde es kurz danach noch einen Zacken schärfer, denn Jakub Svoboda wurde wegen Kniecheck mit Verletzungsfolge gegen Jan Alinč vom Eis geschickt, was in der Situation zu einer doppelten Überzahl der Gastgeber führte. Auch nach der Pause wurden weiter fleißig Strafen verteilt. Vondrka (Slavia) wegen hohem Strock, Manschaftskollege Kůrka mit 10 Minuten Disziplinarstrafe und Brünns Holec wegen Haken, so dass in der 24. Minute vier gegen drei Spieler auf dem Eis waren. Mit druckvollem Angriffsspiel wurde Kometa durcheinandergewirbelt und den freien Puck verwandelte "Honza" Alinč der vor der Pause noch vom Eis geführt wurde, jetzt aber wieder top fit war. Verständlich, dass der Gästeanhang darauf ziemlich sauer reagierte. Im Mittelabschnit gab es weitere fünf Strafen gegen Prag und deren sieben gegen Brünn sowie eine längere Unterbrechung wegen einer zertrümmerten Scheibe vor dem Gästeblock. In der 38. Minute dann riesiges Durcheinander vor dem Slavia-Tor, in dem der Puck den Weg in den Kasten fand. Schiedsrichter Martin Fraňo ging zur Sicherheit zum Telefon am Kampfgericht und ließ noch einmal einen Blick auf die Szene werfen. Nach ewigem Warten deutete er zur Mitte - 3:1 durch Čermák. War wohl auch besser so, sonst wären zahlreiche Kometafans kaum noch zu bändigen gewesen. Zweite Pause, kleiner Imbiss und dann der dritte Akt im sonntäglichen Drama. Nach nur 54 Sekunden in Überzahl der sehenswerte Anschluss durch Dlouhý und die Halle brodelte. Lange hielt die Freude jedoch nicht an, denn Kůrka in der 42. Minute stellte den alten Abstand wieder her. Brünn sammelte weiter Strafen, darunter eine doppelte Zehner durch Tomáš Svoboda wegen Reklamierens, was dann natürlich zu einer weiteren Hinausstellung führte. In der 50. Minute überraschte ein Brünner mit einem völlig verunglückten Rückpass den eigenen Torwart, der Treffer wude Vladimir Růžička gutgeschrieben und kurz darauf dann erneut Pospíšil zum 6:2 Endstand. Nach geschlagenen drei Stunden war das Spiel dann endlich vorbei. Zwar nach meiner Meinung nicht mit dem gewünschten Ausgang aber zweifellos ein Spiel, an das man sich noch lange erinnern wird!
Nun stand für uns nur noch der Heimweg an. Auf den ersten KiIometern hatten wir noch mit Regen zu kämpfen, nach dem Tankstopp am Lieblings-Tesco in Ústí mischte sich im Erzgebirge noch Einiges an Schnee darunter. Am Nordhang auf deutscher Seite war es dann aber trocken und ohne jegliche Probleme waren wir nach knapp drei Stunden Fahrt zurück in Markranstädt. Eine anstrengende aber schöne Tour hatte damit ihr Ende gefunden.
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